Begegnung

In der großen Pfarrgemeinde leben rund 32 000 getaufte Katholiken.  Neben der Pfarrkirche existieren mehrere Filialkirchen, von denen die meisten mit unserer Hilfe saniert oder neu gebaut wurden. Für die Menschen dort ist die Kirche ein wichtiger Ort der Begegnung. Gemeinsam wird die heilige Messe gefeiert. Trotz Armut und vielem Leid erwächst aus dem Glauben große Hoffnung und Lebensfreude.

Durch das Engagement der Pfarrer für ihre Pfarrgemeinde und der liebevollen Freundschaft mit Traude Schröttner und der Pfarrgemeinde Karlau in Graz konnte in den letzten Jahren viel Leid gemindert, große Freude verbreitet und die Basis für eine glücklichere Zukunft geschaffen werden.

Auch wenn die Sonntagsmesse nicht regelmäßig, sondern nur in größeren Abständen gefeiert wird, weil Pfarrer Jacques nicht gleichzeitig in allen Filialkirchen anwesend sein kann, haben sich um diese Filialkirchen kleine Gemeinschaften, sogenannte Hügelgemeinschaften gebildet. Rwanda wird auch liebevoll das Land der tausend Hügel genannt.

Weil die Entfernungen weit sind und die Wege schlecht und in der Regenzeit nur schwer befahrbar, gibt es ein Team ausgebildeter Laienkatecheten, die die einzelnen Hügelgemeinschaften betreuen. Sie kennen die Lebensumstände der dort Wohnenden, erteilen ihnen Religionsunterricht, bereiten sie auf den Empfang der Sakramente vor, feiern Wortgottesdienste, treffen sich regelmäßig zum Gebet und sind Bindeglied zwischen der Hügelgemeinschaft und dem Pfarrer.

Zwei wichtige Begegnungstätten wurden bereits fertig gestellt:

  • die Kirche in Gisagura
  • die Kirche in Ruhoke

Die Kirche in Gisagura

Bei unserem Pastoralbesuch im Juli 2006 zeigte uns Pater Jacques die noch im Rohbau befindlichen Kirche von Gisagura, die sich inmitten riesiger Teeplantagen befindet und unmittelbar an einer wichtigen Landstraße liegt. Seit vielen Jahren wurde an diesem Gotteshaus gebaut und in vielen tausend Arbeitsstunden haben die Pfarrbewohner alles gegeben, was sie geben konnten, nämlich ihre Arbeitskraft.

Pater Jacques war die Fertigstellung der Kirche an diesem stark frequentierten Ort ganz wichtig, um die Gemeinschaft zu stärken. Außenmauern und Dach waren zwar fertig, sogar der Altartisch war schon betoniert, aber es fehlten noch Fußboden, Fenster, Türen, die gesamte Einrichtung und natürlich das notwendige Geld für die erforderlichen Materialien.

Anton Kiebacher, der in diesem Jahr mit uns in Rwanda war, erklärte sich spontan bereit, die Fertigstellung zu finanzieren. Zuhause angekommen, hat er seine Ersparnisse dem Bischof Msgr. Damascéne überwiesen, und bei dem Besuch im darauffolgenden Jahr 2007 konnten wir das fertiggestellte Gotteshaus bereits bewundern und seine Einweihung im Beisein vieler Persönlichkeiten aus Staat und Kirche mitfeiern.

Als Geschenk an Pfarrer und Kirche hat Anton Kiebacher auch ein neues Messkleid mitgebracht und die Kopie eines Altarbildes, das den heiligen Antonius von Padua darstellt. Das Original befindet sich in der Franziskanerkirche seiner Heimatpfarre Innichen in Südtirol. Obwohl dieser Heilige in Rwanda nur wenig bekannt ist, hat Bischof Msgr. Damascéne zur Überraschung und zur Freude für uns alle diese neue Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht.

Die Kirche in Ruhoke

 

 

 

Aus Dankbarkeit und unter Verzicht auf gegenseitige Weihnachtsgeschenke zugunsten einer Dorfgemeinschaft unserer Partnerpfarre hat sich das Ehepaar Heidi und Franz Grillneder bereit erklärt, in einem völlig abgeschiedenen Dorf, das nur zu Fuß erreichbar ist, eine kleine Kirche zu bauen.

Dieses Unternehmen erwies sich als besonders schwierig, weil die meisten Baumaterialien in einem eineinhalbstündigen Marsch über völlig wegloses Gelände von der Straße in das Dorf herangetragen werden mussten. Die Kosten für diesen Neubau wurden mit € 15 000,– veranschlagt. Durch die Mithilfe der gesamten Dorfgemeinschaft konnte der Bau schon nach wenigen Monaten fertiggestellt werden, wobei die Kosten durch die vielen Eigenleistungen und durch die teilweise Verwendung von Steinen an Stelle von Ziegeln um die Hälfte unterschritten werden konnten.

Die neue Kirche wurde anlässlich unseres letzten Pastoralbesuches 2006 vom Bischof Msgr. Jean Damascéne der „Königin vom heiligen Rosenkranz“ geweiht. Die Freude und Dankbarkeit der Dorfgemeinschaft war unbeschreiblich.

Da die Spendengelder so effizient eingesetzt wurden, konnte auch die Kirche in Ruhoke fertiggestellt werden. Dieser Bau wurde schon im 2005 begonnen, weil die alte bestehende Kirche in einem derart desolaten Zustand war, daß der Aufenthalt darin unzumutbar, ja sogar lebensgefährlich war.

Im Jahr 2007 konnten wir nun der Weihe der neuen Kirche teilnehmen. Auch das Ehepaar Grillneder, die die Fertigstellung mit finanziert hatten, war in diesem Jahr dabei. Als Weihegeschenk haben sie eine große holzgeschnitzte Madonna mit Kind und aus Medjugorje eine schöne Monstranz und ein großes Bild der „Königin des Friedens“ mitgebracht.

Wie groß war die Überraschung für uns alle, als Bischof Msgr. Damascéne die Kirche der heiligen Gottesmutter, „der Königin des Friedens“ weihte, noch ehe er von den Geschenken aus Medjugorje wusste. Der Jubel und die Freude über das neue Gotteshaus bei jung und alt schien grenzenlos. Noch viele Stunden nach dem Festgottesdienst wurde zur Ehre Gottes gesungen und getanzt und der Lobpreis hätte wohl noch lange angehalten, hätte nicht die dort früh hereinbrechende Dunkelheit zum Ausklang des Festes gezwungen.

Möge die „Königin des Friedens“ diesen Menschen die Freude an Gott und seiner Kirche erhalten, ihnen dauerhaften Frieden erbitten, und sie alle, besonders auch das Ehepaar Grillneder, segnen und beschützen.

Wir bitten dafür um Gottes Hilfe und um seinen Segen für alle, die dieses Werk bisher unterstützt haben und auch künftig den Menschen in Rwanda beistehen wollen.