Unsere Partnerpfarre

In unserer Pfarrgemeine Graz-Karlau gibt es seit mehr als 30 Jahren einen Arbeitskreis „Weltkirche“, der in enger Zusammenarbeit mit der „Missio Austria“ nicht nur humanitäre Hilfsprojekte unterstützt, sondern sich vor allem um die Ausbildung von Priestern in vielen Ländern der Erde bemüht und deren Studium finanziert.
Einer dieser, von unserem Arbeitskreis unterstützten Seminaristen, ist der spätere Pfarrer von Nyamasheke, Abbé Ubald. Zwischen seiner und unserer Pfarrgemeinde wurde eine Partnerschaft gegründet, die nun schon seit mehr als 20 Jahren besteht und die sich allmählich zu einem großen Hilfswerk für die dortige Pfarrgemeinde und die Diözese Cyangugu entwickelt hat.

 

Viele, auch außerhalb unserer Pfarrgemeinde, ließen sich von der Not der dort lebenden Menschen berühren und haben durch ihre Spenden zur Verbesserung derer Lebensumstände beigetragen. Ihnen allen möchte wir im Namen der Betroffenen aus tiefstem Herzen danken. Gott möge ihnen ihre Güte reichlich lohnen.
Von dem grausam geführten Bürgerkrieg in dem binnen weniger Monate 800 000 Menschen ihr Leben lassen mussten, wurde auch unsere Partnerpfarre schwer betroffen. Nicht nur Kirchen, Pfarrhöfe, Schulen und andere Einrichtungen wurden zerstört, sondern auch die Pfarrbewohner wurden zu tausenden ermordet. Allein in der Pfarrkirche fielen 6000 Menschen, die sich dort in Sicherheit wähnten, dem Greuel des Krieges zum Opfer.

Nun aber ist Frieden eingekehrt und die Kirche bemüht sich, die Menschen wieder miteinander zu versöhnen. Es ist daher dringend notwendig geworden, bei der Wiederherstellung der Infrastrukturen zu helfen. Kirchen und Pfarrhöfe werden als Versammlungsräume instand gesetzt oder neu errichten. Schulen werden wieder aufgebaut und Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche geschaffen.

Diese Ausbildungen sind für die Zukunft der jungen Menschen in unserer Partnerpfarre und im gesamten Land besonders wichtig, weil durch den Genozid (Völkermord), aber auch durch Krankheiten, wie Malaria und Aids die ältere Bevölkerung derart dezimiert wurde, daß zurzeit etwa 50 % aller Einwohner des Landes jünger sind als 15 Jahre. Viele dieser Kinder und Jugendlichen sind Vollwaisen. Aber auch 850 Witwen in dieser Pfarrgemeinde müssen nun ohne Familienerhalter für ihre Kinder sorgen.

Staatliche Unterstützungen gibt es nicht.

In der großen Pfarrgemeinde leben rund 32 000 getaufte Katholiken. Neben der Pfarrkirche existieren mehrere Filialkirchen, von denen die meisten mit unserer Hilfe saniert oder neu gebaut wurden. Für die Menschen dort ist die Kirche ein wichtiger Ort der Begegnung. Gemeinsam wird die heilige Messe gefeiert. Trotz Armut und vielem Leid erwächst aus dem Glauben große Hoffnung und Lebensfreude.

Durch das Engagement der Pfarrer für ihre Pfarrgemeinde und der liebevollen Freundschaft mit Traude Schröttner und der Pfarrgemeinde Karlau in Graz konnte in den letzten Jahren viel Leid gemindert, große Freude verbreitet und die Basis für eine glücklichere Zukunft geschaffen werden.

Auch wenn die Sonntagsmesse nicht regelmäßig, sondern nur in größeren Abständen gefeiert wird, weil Abbé Jacques, der neue und engagierte Pfarrer unserer Partnerpfarre Nyamasheke, nicht gleichzeitig in allen Filialkirchen anwesend sein kann, haben sich um diese Filialkirchen kleine Gemeinschaften, sogenannte Hügelgemeinschaften gebildet. Rwanda wird auch liebevoll das Land der tausend Hügel genannt.

Weil die Entfernungen weit sind und die Wege schlecht und in der Regenzeit nur schwer befahrbar, gibt es ein Team ausgebildeter Laienkatecheten, die die einzelnen Hügelgemeinschaften betreuen. Sie kennen die Lebensumstände der dort Wohnenden, erteilen ihnen Religionsunterricht, bereiten sie auf den Empfang der Sakramente vor, feiern Wortgottesdienste, treffen sich regelmäßig zum Gebet und sind Bindeglied zwischen der Hügelgemeinschaft und dem Pfarrer.

Neben der materiellen Unterstützung der verarmten Bevölkerung bemüht sich die Kirche unermüdlich, die Menschen wieder miteinander zu versöhnen. Abbé Ubald geht mit gutem Beispiel voran.

Er besucht den Mörder seiner Familie im Gefängnis, verzeiht ihm nicht nur, sondern sorgt auch für dessen Kinder und finanziert sogar deren Studium. Und Abbé Ubald lächelt: „Für uns Menschen ist dies nicht alleine möglich!“ Und man spürt die große Liebe die aus seinen Worten entspringt: „Nur Gott kann uns dies schenken!“

Wir unterstützen unsere beiden Pfarrer und die Diozöse Cyangugu mit allen Kräften, weil wir meinen, dass die Aussöhnung der Menschen die Grundvoraussetzung ist für ein friedliches Miteinander. Möge die „Königin des Friedens“ diesen Menschen und allen Ihren Freunden und Helfern die Freude an Gott und seiner Kirche erhalten, ihnen dauerhaften Frieden erbitten, und sie alle segnen und beschützen.